Betriebliches Vorschlagswesen (BVW): Definition, Prozess, Prämien und Beispiele (2026)
Betriebliches Vorschlagswesen (BVW) erklärt: Definition, Prozess in sieben Schritten, Prämien, § 87 BetrVG, Beispiele und Vorlage für die Betriebsvereinbarung.
Das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) ist die formale, dauerhafte Einladung an alle Mitarbeitenden, Verbesserungen vorzuschlagen, verbunden mit einem festgelegten Verfahren: Jeder Vorschlag wird registriert, begutachtet, entschieden, bei Erfolg prämiert, und die einreichende Person erfährt, was daraus geworden ist. Das Formale unterscheidet das BVW vom Kummerkasten an der Wand. Ein Kasten sammelt. Ein Vorschlagswesen verpflichtet das Unternehmen, innerhalb einer genannten Frist zu antworten und den Nutzen zu teilen, wenn ein Vorschlag sich auszahlt.
Genau an dieser Verpflichtung scheitern die meisten Programme. Die Betriebsvereinbarung wird geschrieben, das Plakat hängt, eine erste Welle Vorschläge kommt, dann stauen sich die Gutachten, Prämien werden gestritten, und nach achtzehn Monaten ist das BVW still gestorben. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie eines aufbauen, das nicht stirbt: der Prozess, die Prämienregeln, die rechtlichen Grundlagen von § 87 BetrVG bis zum Arbeitnehmererfindungsgesetz, die Vorschläge, die tatsächlich kommen, und eine Vorlage für die Betriebsvereinbarung. Wenn Sie ein bereits eingeschlafenes Vorschlagswesen ablösen, lesen Sie zuerst Warum Ihr Vorschlagskasten verstaubt und kommen Sie für den Neuaufbau hierher zurück.
Was ist das Betriebliche Vorschlagswesen, und wie unterscheidet es sich von KVP und Ideenmanagement?
Drei Dinge werden im deutschen Sprachraum durcheinandergeworfen, und sie verhalten sich sehr unterschiedlich:
| Ansatz | Was es ist | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Vorschlagskasten | Ein offener Kanal (Kasten, Postfach, Formular) ohne definiertes Verfahren dahinter | Kostet nichts | Niemand ist für die Antwort zuständig, also kommt keine |
| Betriebliches Vorschlagswesen (BVW) | Regeln, Rollen, Fristen und Prämien, schriftlich festgelegt, meist in einer Betriebsvereinbarung | Berechenbar, fair, prüfbar | Langsam und verwaltungsintensiv, wenn es auf Papier oder per E-Mail läuft |
| KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) | Methode für Verbesserungen in kleinen Schritten, teamgetrieben, nah am Prozess, mit Werkzeugen wie Gemba Walk und KVP-Board | Schnell, konkret, im Arbeitsalltag verankert | Erreicht meist nur die Teams, die mitmachen, und selten das ganze Unternehmen |
| Ideenmanagement | Das Verfahren des BVW in Software, mit Kampagnen, Bewertung, Nachverfolgung und Reporting obendrauf | Schnelle Rückmeldung, sichtbare Pipeline, Zahlen für die Geschäftsführung | Braucht Budget und eine verantwortliche Person |
Das BVW sind die Regeln, Ideenmanagement ist die moderne Art, sie umzusetzen, und KVP ist die Methode, mit der Teams die kleinen Dinge vor Ort selbst erledigen. Die drei konkurrieren nicht. Jedes Unternehmen, das wir mit einem wirksamen Programm kennen, hat alle drei: eine schriftliche Regelung, wie Vorschläge behandelt und prämiert werden, eine Plattform, die diese Regelung ohne nachtelefonierende Sachbearbeitung umsetzt, und KVP-Teams, die die Sofortmaßnahmen an der Linie gar nicht erst einreichen müssen. Den Gesamtzusammenhang beschreibt der Leitfaden Was ist Ideenmanagement?; dieser Text bleibt beim Vorschlagswesen selbst.
Woher kommt das Betriebliche Vorschlagswesen?
Aus Deutschland, und es ist älter, als die meisten denken. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung steht in einem Arbeitsvertrag der chemischen Fabrik E. Merck in Darmstadt aus dem Jahr 1853: besondere Verbesserungen, vom Arbeiter angeregt, würden ihm besonders belohnt. Alfred Krupps Generalregulativ von 1872 forderte die Belegschaft in § 13 auf, Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen schriftlich einzureichen, und versprach, sie dankbar entgegenzunehmen. Das Vorschlagswesen war also eine deutsche Erfindung des Industriezeitalters, wurde nach dem Krieg in Japan systematisiert und kam als Kaizen und KVP zurück.
Die Geschichte ist aus einem Grund wichtig: Das klassische BVW wurde für eine Welt aus Papierformularen, monatlichen Gutachterausschüssen und einem BVW-Beauftragten mit Aktenschrank entworfen. Die Regeln waren gut. Die Maschinerie war langsam. Fast alles, was folgt, handelt davon, die Regeln zu behalten und die Maschinerie auszutauschen.
Wie läuft das Betriebliche Vorschlagswesen ab? Der Prozess in sieben Schritten
Sieben Schritte, jeder mit Verantwortlichem und Frist. Die Fristen sind das Vorschlagswesen. Ohne sie haben Sie einen Kasten.
| Schritt | Was passiert | Verantwortlich | Zielwert |
|---|---|---|---|
| 1. Einreichung | Die Mitarbeiterin beschreibt Problem, Vorschlag und erwarteten Nutzen | Einreichende Person | Zwei Minuten am Smartphone, kein Firmenkonto nötig |
| 2. Registrierung und Eingangsbestätigung | Der Vorschlag erhält Nummer, Datum und einen benannten Ansprechpartner; die Einreichung wird bestätigt | BVW-Beauftragte oder Ideenmanager | 48 Stunden |
| 3. Begutachtung | Ein Fachgutachter aus dem betroffenen Bereich prüft Machbarkeit, Kosten und Nutzen und schreibt eine kurze Stellungnahme | Fachgutachter | 10 Arbeitstage |
| 4. Entscheidung | Annahme, Ablehnung mit Begründung oder Zurückstellung mit Datum; größere Nutzen gehen an die BVW-Kommission | Führungskraft oder Kommission | 30 Tage nach Einreichung |
| 5. Prämie | Berechnet nach der veröffentlichten Prämienordnung, ausgezahlt über die Lohnabrechnung | Beauftragte und Lohnbuchhaltung | Mit der Entscheidung oder nach Messung der Einsparung |
| 6. Umsetzung | Die Änderung wird umgesetzt und vom Verantwortlichen bestätigt | Umsetzender Bereich | Pro Vorschlag festgelegt |
| 7. Rückmeldung und Reporting | Die einreichende Person sieht das Ergebnis, die Geschäftsführung die Zahlen | Beauftragte | Laufend |
Zwei dieser Schritte entscheiden, ob das BVW lebt. Schritt 2, weil ein Vorschlag, der drei Wochen verschwindet, allen beibringt, es gar nicht erst zu versuchen. Und Schritt 4, weil eine Ablehnung mit ehrlicher Begründung die Leute weiter einreichen lässt, während Schweigen oder ein Serienbrief das Gegenteil bewirkt. Formulierungen für beide Fälle finden Sie im Leitfaden Feedback, das Vertrauen schafft. Wenn Sie mit vielen Vorschlägen rechnen, sortiert die Zwei-Stunden-Methode zum Sichten hundert Einreichungen vor, bevor die Gutachter sie sehen.
Wie sollten Prämien geregelt sein, und was gilt steuerlich?
Die Prämienordnung ist der meistdiskutierte Absatz jeder Betriebsvereinbarung zum BVW. Schreiben Sie sie deshalb präzise und veröffentlichen Sie sie. Vier Modelle decken fast jedes Vorschlagswesen ab:
- Ein Anteil an der Nettoersparnis des ersten Jahres. Das klassische Modell für rechenbare Vorschläge. Prozentsatz und Obergrenze stehen in der Prämienordnung; die Ersparnis wird vor der Schlusszahlung gemessen, nicht geschätzt. Zahlen Sie einen kleinen Betrag bei Annahme und den Rest, sobald die Zahl feststeht.
- Eine Pauschalprämie für Vorschläge ohne rechenbaren Nutzen. Arbeitssicherheit, Qualität, Betriebsklima und Kundenerlebnis lassen sich selten in Euro fassen. Ein fester Betrag oder ein Punktesystem verhindert, dass sie als Vorschläge zweiter Klasse gelten.
- Anerkennung. Die namentliche Nennung in der Betriebsversammlung, eine Urkunde, ein Foto am Schwarzen Brett. Billiger als Geld und, in den meisten Betrieben, die wir kennen, für den zweiten und dritten Vorschlag mindestens so motivierend.
- Teamprämien. Kommt ein Vorschlag aus einer Schicht oder einer Fertigungszelle, teilen Sie die Prämie oder finanzieren Sie etwas, das das Team sich aussucht. Reine Einzelprämien bremsen leise genau die Zusammenarbeit, aus der die besten Vorschläge entstehen.
Steuerlich sind BVW-Prämien in Deutschland in der Regel Arbeitslohn und damit lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig; die Auszahlung gehört deshalb in die Lohnabrechnung, nicht in die Portokasse. Klären Sie die konkrete Behandlung mit der Lohnbuchhaltung, bevor die Prämienordnung veröffentlicht wird. Eine Sonderstellung haben technische Verbesserungsvorschläge nach dem Arbeitnehmererfindungsgesetz: Gewähren sie dem Arbeitgeber eine ähnliche Vorzugsstellung wie ein gewerbliches Schutzrecht, hat die Mitarbeiterin nach § 20 Abs. 1 ArbnErfG einen gesetzlichen Anspruch auf angemessene Vergütung, sobald der Arbeitgeber den Vorschlag verwertet. Alle anderen technischen Verbesserungsvorschläge überlässt § 20 Abs. 2 ArbnErfG ausdrücklich der Regelung durch Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung, was ein weiterer Grund ist, die Prämienordnung dort sauber festzuhalten.
Zwei Regeln verhindern die meisten Streitfälle. Erstens: Reichen zwei Personen denselben Vorschlag ein, gewinnt die zuerst registrierte Einreichung die Prämie, weshalb Schritt 2 einen Zeitstempel hat. Zweitens: Keine Prämie wird auf Basis einer Schätzung endgültig festgesetzt. Das Controlling bestätigt die Ersparnis, nachdem die Änderung den in der Prämienordnung genannten Zeitraum gelaufen ist.
Was sagt das Betriebsverfassungsgesetz? Mitbestimmung beim BVW
Das Betriebliche Vorschlagswesen ist einer der wenigen Fälle, in denen das Gesetz die Mitbestimmung ausdrücklich beim Namen nennt. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG hat der Betriebsrat mitzubestimmen über die „Grundsätze über das betriebliche Vorschlagswesen”. Gemeint sind die Spielregeln: Wer darf einreichen, wie wird begutachtet, nach welchen Kriterien und Fristen wird entschieden, wie werden Prämien berechnet. Nicht gemeint ist die Entscheidung über den einzelnen Vorschlag; die bleibt beim Arbeitgeber. In der Praxis heißt das: Ohne Betriebsvereinbarung gibt es kein rechtssicheres BVW, und die Vereinbarung sollte vor dem Start stehen, nicht nach der ersten Prämienbeschwerde.
Sobald Sie das Vorschlagswesen in Software betreiben, kommt ein zweiter Mitbestimmungstatbestand hinzu. Eine Plattform, die Einreichungen Personen zuordnet und auswertet, ist eine technische Einrichtung, die geeignet ist, Verhalten oder Leistung zu überwachen, und fällt damit unter § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Regeln Sie in derselben Betriebsvereinbarung deshalb auch Zweck der Datenverarbeitung, Auswertungsrechte, die Option anonymer Einreichung, Speicherfristen und den Serverstandort. In öffentlichen Einrichtungen tritt der Personalrat nach den Personalvertretungsgesetzen an die Stelle des Betriebsrats, in kirchlichen Einrichtungen die Mitarbeitervertretung. Was eine Plattform dafür mitbringen sollte, steht auf unserer Seite zu Sicherheit und DSGVO.
Welche Beispiele gibt es für das Betriebliche Vorschlagswesen?
Die häufigste Frage einer Führungskraft vor dem Start lautet: „Was kommt da eigentlich?” Zwanzig Jahre solcher Programme geben eine erstaunlich konstante Antwort: überwiegend kleine, konkrete, operative Verbesserungen von den Menschen, die dem Prozess am nächsten sind, plus ein paar große pro Jahr, die alles andere finanzieren. Typische Vorschläge:
- Einen Arbeitsplatz so umordnen, dass ein Teil ohne Drehung erreichbar ist, und damit Sekunden aus einem Takt holen, der tausendmal pro Schicht läuft
- Kompressor, Ofen oder Beleuchtungszone in einer Pause abschalten, in der sie nie gebraucht wurden
- Ein Formular, das dreimal ausgefüllt wird, durch eines ersetzen, das einmal ausgefüllt wird
- Ein Lieferfenster verschieben, damit die Filiale nicht in der umsatzstärksten Stunde Regale auffüllt
- Eine Verpackungsgröße standardisieren und so die Mindestbestellmenge beim Lieferanten senken
- Spiegel, Schild oder Bodenmarkierung an einer Stelle anbringen, an der es immer wieder zu Beinaheunfällen kommt
- Das Team, das dieselbe Kundenbeschwerde immer wieder beantwortet, den verursachenden Prozess ändern lassen
- Eine Schichtplanänderung, die eine Übergabe streicht, deren Zweck niemand mehr erklären konnte
Im großen Maßstab bleibt das Muster gleich. Halfords, ein britischer Einzelhändler mit über 1.000 engagierten Kolleg:innen in 400 Filialen, sammelte in sechs Monaten 515 Ideen und wies daraus £759.000 geprüften Mehrwert nach; die Halfords-Fallstudie zeigt, wie ein modernes Vorschlagswesen ohne Konten und Schulungen die Verkaufsfläche erreicht hat. Die Kommune Linköping in Schweden sammelte 200 Ideen in drei Monaten und senkte den Verwaltungsaufwand des Programms um 66 %, indem sie E-Mail und Tabellen ablöste. Weitere Beispiele nach Branche finden Sie in Kostensenkungsideen in der Fertigung und Ideenmanagement im Einzelhandel.
Warum schlafen klassische Vorschlagswesen ein?
Fünf Ursachen erklären fast jedes BVW, das wir wiederbeleben sollten:
- Tempo. Monatliche Kommissionssitzungen bedeuten, dass 30 Tage bis zur Entscheidung der Bestfall sind und 90 Tage normal. Die Leute hören lange vor dem dritten Monat auf einzureichen.
- Intransparenz. Die einreichende Person sieht nicht, wo ihr Vorschlag steht, also ist jede Nachfrage eine E-Mail an den Beauftragten, der nachschlagen muss.
- Prämienstreit. Geschätzte Einsparungen, unklare Prozentsätze und „die Idee hatten wir schon” vergiften das Programm für alle, die zusehen.
- Keine Umsetzungskapazität. Angenommene Vorschläge stapeln sich, weil die Umsetzung nie mit Ressourcen hinterlegt wurde. Ein angenommener Vorschlag, den niemand umsetzt, ist für die Stimmung schlimmer als eine Ablehnung.
- Papier und E-Mail. Formulare in Ablagekörben, Tabellen in der falschen Version, Gutachter, die es vergessen. Der Prozess ist in Ordnung; das Medium kann ihn nicht tragen.
Der Leitfaden Warum Mitarbeiterideen ignoriert werden behandelt die menschliche Seite dieser Punkte und wie ein Programm Glaubwürdigkeit zurückgewinnt, wenn es sie verloren hat.
Wie modernisieren Sie das BVW, ohne zu verlieren, was funktioniert?
Regeln behalten, Maschinerie austauschen. Sechs Schritte, in der Reihenfolge, die sich am besten bewährt hat:
- Die Betriebsvereinbarung zunächst unverändert übernehmen. Prämienordnung, Berechtigte und Fristen bleiben, wie sie sind. Wer Werkzeug und Regeln gleichzeitig ändert, macht jede Beschwerde zu einer über das Werkzeug.
- Der Gutachterrolle ein Zuhause geben. In Software sieht ein Gutachter eine Warteschlange, eine Frist und ein Bewertungsformular statt einer E-Mail. Überfällige Gutachten sind für die Beauftragte sichtbar, ohne nachzutelefonieren. Eine gemeinsame Bewertungs-Scorecard hält die Gutachten vergleichbar.
- Den Status für die einreichende Person sichtbar machen. Eingegangen, in Begutachtung, entschieden, umgesetzt. Diese eine Änderung leert den größten Teil des Postfachs der Beauftragten.
- Kampagnen zum offenen Kanal hinzufügen. Das dauerhafte Vorschlagswesen läuft weiter, und drei- bis viermal im Jahr stellt die Geschäftsführung eine konkrete Frage: Energieverbrauch, ein Unfallschwerpunkt, der Onboarding-Prozess. Kampagnen bringen in der Regel mehr und zielgenauere Vorschläge als der offene Kanal allein. Wie man eine formuliert, zeigt der Leitfaden Ideenkampagne schreiben.
- Die Menschen ohne Schreibtisch erreichen. Ein QR-Code an der Linie oder ein Link in Teams, ohne Firmenkonto, ist der Unterschied zwischen einem BVW, das die Produktion nutzt, und einem, von dem sie nur hört. Unser Leitfaden Frontline-Mitarbeitende zum Teilen von Ideen bewegen baut auf dem Halfords-Rollout auf.
- Monatlich berichten. Vorschläge je 100 Mitarbeitende, Zeit bis zur Entscheidung, Umsetzungsquote und geprüfter Nutzen, auf einer Seite, an die Menschen, die das Programm finanzieren. Die Kennzahlendefinitionen stehen in Innovations-ROI messen.
Zum Werkzeug: Der Leitfaden zum digitalen Vorschlagskasten erklärt, worauf Sie achten sollten, und der Vergleich der besten Vorschlagskasten-Software stellt die Optionen mit Preisen gegenüber. Wer das BVW mit dem KVP der Fertigung in einem System zusammenführen will, findet die Anforderungen im Leitfaden KVP-Software für die Fertigung. Hives.co betreibt Vorschlagswesen für Organisationen von 250 bis 90.000 Mitarbeitenden zum Pauschalpreis von 695 € pro Monat mit unbegrenzten Nutzern, EU-Hosting und ohne zu installierenden Client, was in der Regel weniger ist als die Sachbearbeitungszeit, die ein Papier-BVW verbraucht. Wenn Sie das intern begründen müssen, hat der Business-Case-Leitfaden die Vorlage.
Was gehört in die Betriebsvereinbarung? Eine Vorlage
Übernehmen Sie diese Gliederung, tragen Sie Ihre Zahlen ein und lassen Sie sie von Personalabteilung, Controlling und Betriebsrat unterzeichnen, bevor das BVW startet. Zehn Abschnitte reichen.
- Zweck. Ein Absatz: Warum das Unternehmen das Vorschlagswesen betreibt und was als Vorschlag gilt (eine Verbesserung der betrieblichen Abläufe, die über die normalen Aufgaben der einreichenden Person hinausgeht).
- Geltungsbereich und Berechtigte. Wer einreichen darf (alle Beschäftigten einschließlich Leiharbeit und Teilzeit ist die einfachste Regel) und wer bei einem Thema ausgeschlossen ist (meist die, deren Aufgabe es ohnehin ist, es zu lösen).
- Einreichung. Die Kanäle, der Mindestinhalt (Problem, Vorschlag, erwarteter Nutzen) und die Klarstellung, ob anonyme Einreichungen zugelassen sind.
- Registrierung. Nummer, Datum, benannter Ansprechpartner, Eingangsbestätigung innerhalb von 48 Stunden. Bei Doppeleinreichungen gewinnt die zuerst registrierte.
- Begutachtung. Wer begutachtet, innerhalb welcher Frist, nach welchen Kriterien, und wie die einreichende Person Informationen nachreichen kann.
- Entscheidung. Wer auf welcher Nutzenstufe entscheidet, die 30-Tage-Frist und die Pflicht, Ablehnungen zu begründen.
- Prämien. Die verwendeten Modelle, Prozentsätze und Obergrenzen, Zahlungszeitpunkt, Nachweis der Einsparung, steuerliche Behandlung und der Verweis auf § 20 ArbnErfG für technische Verbesserungsvorschläge.
- Umsetzung und Nachverfolgung. Wer die Umsetzung eines angenommenen Vorschlags verantwortet und wie der Abschluss bestätigt wird.
- Schutzrechte und Datenschutz. Was das Unternehmen mit einem Vorschlag tun darf, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden, wo die Daten liegen, welche Auswertungen zulässig sind (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) und wie lange Unterlagen aufbewahrt werden.
- Streitfälle und Überprüfung. Wie eine einreichende Person Einspruch erhebt, wer schlichtet (häufig eine paritätisch besetzte Kommission) und wann die Vereinbarung überprüft wird (jährlich ist üblich).
Beziehen Sie den Betriebsrat in den Entwurf ein, statt ihm ein fertiges Dokument vorzulegen. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG braucht er ohnehin zuzustimmen, und gemeinsam entworfene Regeln werden im Betrieb schneller angenommen.
Welche Kennzahlen zeigen, dass das Vorschlagswesen funktioniert?
Fünf, monatlich erhoben und mit dem Vorquartal verglichen statt mit dem Benchmark eines anderen Unternehmens. Das Zentrum Ideenmanagement veröffentlicht regelmäßig Kennzahlenvergleiche zwischen Betrieben; nutzen Sie sie zur Orientierung, aber steuern Sie nach dem eigenen Trend.
- Beteiligungsquote: Anteil der Berechtigten, die in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal eingereicht haben
- Vorschläge je 100 Mitarbeitende und Jahr: die Mengenkennzahl, vor allem nützlich, um einen Standort oder Bereich zu erkennen, der verstummt ist
- Zeit bis zur Entscheidung: Median in Tagen von Registrierung bis Entscheidung, gemessen an der 30-Tage-Frist
- Umsetzungsquote: Anteil der angenommenen Vorschläge, die in der vereinbarten Zeit umgesetzt wurden
- Geprüfter Nettonutzen: vom Controlling bestätigte Einsparungen und Erlöse nach Umsetzung, abzüglich Prämien und Umsetzungskosten
Die erste und die dritte Zahl sagen die Zukunft des Programms voraus, die letzte rechtfertigt sein Budget. Ein BVW mit steigender Beteiligung und sinkender Entscheidungszeit liefert die Nutzenzahl innerhalb von zwei bis drei Quartalen. Eines mit dem umgekehrten Muster steht kurz vor dem Stillstand, egal was die aktuellen Einsparungen sagen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen KVP und BVW?
KVP ist die Methode, mit der Teams nah am Prozess in kleinen Schritten verbessern, meist mit Werkzeugen wie Gemba Walk, KVP-Board und Maßnahmenliste. Das BVW ist der dauerhafte Kanal und der Prämienmechanismus, über den jede Mitarbeiterin eine Verbesserung vorschlagen kann, auch außerhalb ihres eigenen Bereichs. Die meisten Unternehmen betreiben beides, und dieselbe Software verarbeitet in der Regel die Vorschläge des BVW und die Maßnahmen der KVP-Teams. Wie beides zusammenpasst, zeigt Mitarbeitergetriebene KVP.
Sind BVW-Prämien steuerpflichtig?
In der Regel ja: Prämien aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen sind Arbeitslohn und unterliegen Lohnsteuer und Sozialversicherung. Sie gehören deshalb in die Lohnabrechnung. Für technische Verbesserungsvorschläge mit schutzrechtsähnlicher Vorzugsstellung besteht nach § 20 ArbnErfG ein gesetzlicher Vergütungsanspruch. Klären Sie die konkrete Behandlung mit der Lohnbuchhaltung, bevor die Prämienordnung veröffentlicht wird.
Muss der Betriebsrat beim Vorschlagswesen zustimmen?
Ja. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG bestimmt der Betriebsrat über die Grundsätze des Betrieblichen Vorschlagswesens mit, also über Regeln, Fristen, Gutachterverfahren und Prämienordnung. Über den einzelnen Vorschlag entscheidet der Arbeitgeber. Läuft das BVW in Software, die Einreichungen Personen zuordnet, greift zusätzlich § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Beides gehört in eine Betriebsvereinbarung.
Wie viele Vorschläge sind zu erwarten?
Das hängt weit mehr davon ab, wie einfach die Einreichung ist und wie schnell Entscheidungen zurückkommen, als von der Branche. Vorschlagswesen auf Papier mit monatlichen Kommissionen liegen typischerweise deutlich unter einem Vorschlag pro Mitarbeitenden und Jahr. Programme, die die Produktion vom Smartphone erreichen und innerhalb von 30 Tagen entscheiden, sehen ein Mehrfaches davon. Verfolgen Sie den eigenen Trend, statt der Zahl eines anderen nachzujagen.
Was passiert, wenn zwei Mitarbeitende denselben Vorschlag einreichen?
Die zuerst registrierte Einreichung erhält die Prämie, weshalb jeder Vorschlag bei der Registrierung einen Zeitstempel bekommt. Schreiben Sie das in die Betriebsvereinbarung. Manche Unternehmen teilen die Prämie, wenn beide Einreichungen am selben Tag eingehen; beide Regeln funktionieren, solange sie veröffentlicht sind, bevor sie gebraucht werden.
Brauchen wir ein BVW, wenn wir schon KVP-Workshops machen?
Ja, für die Ideen, die zwischen den Workshops und außerhalb der beteiligten Teams entstehen. KVP-Workshops sind terminiert und thematisch begrenzt; ein Vorschlagswesen ist immer offen und gilt für das ganze Unternehmen. Beide befeuern sich gegenseitig: Vorschläge werden oft zum Thema des nächsten Workshops, und Workshops erzeugen Vorschläge, die ihre Teilnehmenden allein nicht umsetzen können.
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- Innovationsmanagement-Software Einkaufsleitfaden